HARALD WEILER REGISSEUR

Jenseits von Eden

Nach dem Roman von John Steinbeck, Übersetzung und Bearbeitung Ulrike Syha

Altonaer Theater, Hamburg
Premiere: 17.01.2016
Regie: Harald Weiler
Ausstattung: Lars Peter
Besetzung
  • Markus Frank ( Adam Trask)
  • Nadine Nollau (Cathy Ames)
  • Sascha Rotermund (Horace Quinn)
  • Jonas Anders (Julius Euskadi)
  • Timon Ballenberger (Charles Trask/ Caleb Trask)
  • Kerstin Hilbig (Mrs. Ames/ Faye)
  • Herbert Trattnigg (Cyrus Trask / Samuel Hamilton)
  • Jacques Ullrich (Lee)
  • Andreas Heßling (Aron Trask)
  • Neele-Frederike Maak (Abra Bacon)

Die Welt, 20.01.2016

Jenseits von Eden als episches Popcorn-Theater

Harald Weiler gelingt mit seiner Inszenierung in Altona eine runde Bühnenversion des Stückes Jenseits von Eden. Beste Unterhaltung inklusive. Ulrike Syha ist es in ihrer Bühnenfassung, die sich nicht an dem Film, sondern an John Steinbecks Roman orientiert, gut gelungen, verschiedene Erzählstränge miteinander zu verknüpfen und große Zeitsprünge glaubhaft zu vollziehen. Viele schräge und interessante Nebenfiguren verleihen der Geschichte zusätzliche Facetten, in Harald Weilers Inszenierung werden sie plastisch umgesetzt (….) Die Kulisse erinnert an ein schrammeliges Restaurant: Mit roten Lampions, leuchtenden Neonbalken und einer Gemäldetapete, die das Bild eines alten Meisters zeigt. Darin gelingt Weiler ein beeindruckendes Epos, das zugleich bestens unterhält.

Hamburger Abendblatt, 19.01.2016

Harald Weiler gelingt eine kluge und zugespitzte Version von John Steinbecks "Jenseits von Eden" im Altonaer Theater.

Anstelle des üblichen roten Samts erstreckt sich eine gigantische Flagge Amerikas über die gesamte Bühnenbreite des Altonaer Theaters. Als sie sich hebt, liegt das Drama der Keimzelle der Vereinigten Staaten vor uns: die Familie. Eine besonders dysfunktionale ist es, die der Autor John Steinbeck uns vor Augen führt. In "Jenseits von Eden" ist das Paradies ganz weit weg (…) Noch nie sah der Untergang so klar und schön aus, wie bei Regisseur Harald Weiler. Ihm gelingt die Mammutaufgabe, die Familiensaga mit Situationsgespür und einem konzentriert aufspielenden Ensemble in einen großen Theaterabend zu verwandeln.

Vor Tizians schon auf den indirekten Brudermord verweisenden Gemälde "Kain und Abel" gruppiert Ausstatter Lars Peter Insignien des amerikanischen Mythos: ein Erdhügel, der mal Scheiterhaufen, mal Farmland, mal Schmerzenshügel sein wird, ein Tisch, ein Kreuz und ein paar Sitzmöbel.

Anders als Elia Kazans Verfilmung konzentriert sich Weilers Inszenierung wie auch die Textfassung von Ulrike Syha stärker auf die bei Steinbeck zentrale Geschichte des Vaters Adam Trask. (…) Die ohnehin verschlankte Stückfassung hat Harald Weiler noch einmal eingekocht, Nebenfiguren, Epilog, auch ganze Ereignisse sind verschwunden. Zurück bleibt ein Kondensat an Text, durch das der Regisseur die bis in die Nebenrollen präzisen und überzeugenden Darsteller mit sicherer Hand geleitet. (…) Die Kürzungen ermöglichen eine Geradlinigkeit und Klarheit, die dem Stoff guttut. Und ihn vor dem Abrutschen in Pathos und die drohenden Untiefen des Kitsches gerade beim Vater-Sohn-Thema bewahrt. (…) Unbedingt sehenswert.

Hamburger Morgenpost, 19.01.2016

Steinbecks Saga überzeugt Jenseits von Eden am Altonaer Theater

Regisseur Harald Weiler gelingt mühelos ein eigener Zugriff auf das archaische Thema: frustrierendes Ringen um fragwürdige Vaterliebe. Vater Adam argumentiert gleich zu Beginn: „Ich liebe dich, warum sonst hätte ich mir die Mühe machen sollen, dich so zu quälen?“ James Deans Gesicht vermisst man hier jedenfalls nicht.

(…)Im Zentrum der Saga steht die Pionierfigur von Adam Trask, Markus Frank strahlt als großartiger Hauptdarsteller, dem es gelingt, während der zweistündigen Vorstellung um Jahrzehnte zu altern, wie es die Rolle braucht. Eine echte Entdeckung: Timon Ballenberger als sein Sohn Caleb.